Dienstag, 21. April 2009

JAX 09 - Agile Day - Retrospektive

Die verbleibenden Vorträge des Agile Day bin ich Euch noch schuldig:


Festpreisprojekt - Behörde - V-Modell: Agilität im Grenzbereich

Als Essenz dieses Vortrages nehme ich mit, das Agilität und V-Modell XT einen geringen Überdeckungsspielraum haben, den man nutzen kann und vielleicht auch nutzen sollte. Aber die Philosophien passen halt nicht wirklich zusammen. V-Modell z.B. gilt für alle Projektgrößen und die gesamte Lebensdauer eines Systems, während die Agilität "nur" für kleine Projekte und die Entwicklungsphase gedacht ist. Andererseits ist innovation der Stärke, die das monolithische V-Konstrukt nicht wirklich mit Leben füllen kann.

Generell sollte man beim Tailoring von V-Modell XT Projekten (als Tipp von Henning Wolf) eher mit der Kettensäge agieren, denn mit der Nagelschere. D.h. nach der Devise weniger ist mehr sollte man nur Produkte mit Leben füllen, die auch einen Stakeholder haben, der sie bezahlt/nutzt.


SCRUM in der Community Realität bei XING - Ein Erfahrungsbericht

Das Highlight des ersten Tages war eindeutig dieser Vortrag von Susanne Reppin und Dr. Johannes Mainusch von XING! Die Vortragsart war amüsant, dynamisch, agil, souverän und energiegeladen. Es hat schon allein Spass gemacht den beiden zuzusehen. Aber auch die Inhalte stimmten.

Eine Kurzvorstellung von XING gespickt mit Details und technischen Infos leitete den Vortrag ein. z.B. dass 45.000 Nutzer in Spitzenzeiten XING parallel nutzen, dass es komplett in Perl und Ruby umgesetzt ist, und dass sie die Seitenaufbauzeiten mittels Javascript beim Nutzer messen und zurückmelden. Herausheben möchte ich noch, dass bei XING die Kilobytes pro Pageview erfasst werden. Von anfänglich ca. 160 KB pro Pageview haben Sie sich auf 42 KB gearbeitet. Dabei ist Ihnen aufgefallen, das der Durchschnitt in der Woche bei 56 KB liegt, weil der IE 6.0 nicht mit HTTP 1.1 umgehen kann und so die Seite nicht gecached wird. Und das tritt nur während der Arbeitszeit auf, weil viele Großunternehmen hier keine Updates machen und somit immernoch IE 6.0 einsetzen.

XING setzt voll auf SCRUM. Mit 50 Releases im Jahr! Scherzhaft: "So wird die Angst pro Release kleiner!"

Ich muss ja zugeben, dass ich mich bisher nicht wirklich mit der agilen Softwareentwicklung beschäftigt habe, aber dieser Vortrag hat Lust darauf gemacht. Die Philosophie, dass immer nur eines fest steht, und zwar der Zeitrahmen oder das Feature klingt fremdartig. Und das muss erstmal im ganzen Unternehmen verdaut und akzeptiert werden, insb. auch im Management. Im Zentrum der Vorgehensweise steht das Team! Das Team ...
- ... hat die Antworten auf die meisten Fragen,
- ... entscheide, organisiert sich und äußert Wünsche
- ... ist 5-7 Personen groß (inkl. QA)
- ... lebt Pair Programming (auch in ungleichen Zusammensetzungen z.B. HTML'er und Ruby-Entwickler)
- ... Schätzt neue Aufgaben gemeinsam, bzw. jeder schätzt den Gesamtaufwand. Die Schätzer des höchsten und niedrigsten Wertes diskutieren Ihre Annahmen und dann schätzen alle erneut ... und dann kommt angeblich meist ein sehr einheitlicher Schätzwert heraus.

Es gibt einiges aus diesem Vortrag, das ich unbedingt mal in der Praxis ausprobieren muss.


Pecha Kucha zu agilen Vorgehensweisen

Der letzte Vortragsblock brachte dann nochmal ein interessantes Vortragskonzept mit - Pecha Kucha (Stimmengewirr): 6 Vorträge a 6 Minuten mit je 20 Folien die nach 20 Sekunden automatisch weiterspringen.

Der bestgemachte der Vorträge drehte sich um "Inkrementelles Design" von Bernd Schiffer. Er stellte Inkrementelles Design analog zur Evolution vor, mit z.B. vielen bunten Fischen, die jeweils ein Schlagwort der Phasen Spezifikation, Amplifikation, Selektion, Restabilisierung und Variaton anschaulich und kurzweilig verdeutlichten.

Einen Lacher und bleibende Erinnerung hinterliess der Vortrag "Everybody does Refactoring, right?" von Marko Schulz mit der Feststellung: "Refactoring ist ... ein Menü in Eclipse"! D.h. jeder spricht von Refeactoring, aber die meisten sehen nur das werkzeuggetriebene Refactoring, und nicht das eigentlich erforderliche viel Erfahrung benötigende Refactoring von Systemen z.B. zur Glättung von Sünden aus dem Projektgeschäft.

Schliesslich gab es im RUP Vortrag ein kleines Filmchen, das ich Euch nicht vorenthalten will: Piloten (Youtube sei Dank).


Somit ging dann der erste Tag der JAX '09 seinem Ende entgegen. Im Restaurantschiff auf der anderen Rheinseite haben wir denn Abend ausklingen lassen.