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Samstag, 27. März 2010

Kleiner NAS-Server Vergleich

Da sich mein altgedienter RAID-File-Server verabschiedet hat, der mich ca. 8 Jahre lang begleitet hat, musste ich mich nach einer neuen Lösung umsehen. Mittlerweile gibt es ja ausreichend viele gute kleine Lösungen für NAS-Systeme für den "Heimbedarf". Nach einer kurzen Umfrage unter Kollegen und ein bisschen Recherche habe ich mich für den D-Link DNS-323 entschieden und kurzerhand zusammen mit zwei 2 TB Festplatten bestellt. Da ich im Zusammenspiel mit meinen Mac's allerdings keine einfache Anbindung herstellen konnte (dazu später mehr) habe ich dann noch die etwas teurere zweite Empfehlung Synology 210j hinzugenommen und kann nun hier ein bisschen vergleichen.

Vorneweg noch zur Info: Soviel ich auch bei meinem Mac mini bastle und experimentiere. Das NAS soll einfach funktionieren. D.h. ich habe keine der beiden Stationen modifiziert. Lediglich ein Firmware-Update auf die letzte stabile offiziell über die Hersteller-Website angebotene Version habe ich vorgenommen.

Als Festplatten betreibe ich zwei unterschiedliche Festplatten im RAID 1 Verbund, damit die Wahrscheinlichkeit eines gleichzeitigen Ausfalls minimiert wird:
- 2 TByte, 3,5", 7200rpm, SATA II 32 MB Cache (Hitachi Deskstar 7K2000)
- 2 TByte, 3,5", 5400rpm, SATA II 32 MB Cache (Samsung F3 HD203WI EcoGreen)

In beiden Systemen habe ich erstmal nur eine Festplatte betrieben.

D-Link DNS-323
Positiv fällt direkt das vergleichsweise schwere Metallgehäuse auf. Macht einen gut verarbeiteten stabilen Eindruck. Der Einbau der Festplatte ist geradezu Kinderleicht und kann ohne Werkzeug bzw. Schrauben durchgeführt werden. Einfach die Kunststoff-Front vorne nach oben drücken und dann abziehen. Die Festplatte(n) können dann einfach in das gerät eingeschoben werden bis sie spürbar einrasten. Mit dem Hebel auf der Rückseite des Gerätes lassen sich die Platten dann wieder lösen und herausziehen. Praktisch!

Die Benutzeroberfläche ist schlicht und übersichtlich. Es gibt ein Tool für die schnelle Einrichtung unter Windows. Damit hatte ich schnell das gesamte Volume freigeschaltet für den Zugriff. Dieser Zugriff auf die gesamte Platte ohne Passwortschutz funktionierte auch direkt unter Mac OS. Anschliessend habe ich ein paar Verzeichnisse und einen Nutzeraccount angelegt und wollte mich wieder mit den Laufwerken verbinden. Unter Windows wieder kein Problem. Unter Mac OS 10.6 allerdings klappte der Zugriff nicht mehr. Ich sehe zwar weiterhin das Gerät und auch die verfügbaren Freigaben. Als ich aber die Zugangsdaten eingegeben hatte, meldete Snow Leopard, dass das Laufwerk nicht existiert: "Der Vorgang konnte nicht abgeschlossen werden, da das Originalobjekt für „SHARE“ nicht gefunden wurde."

Schliesslich fand ich heraus, dass das wohl an der veralteten Version von Samba auf dem D-Link NAS (Firmware 1.07) liegt. Snow Leopard unterstützt dessen Authentifizierung wohl nicht mehr. Mit einem Firmware-Update auf 1.08 soll sich das Problem beheben lassen. Dieses ist aber noch im Beta-Test-Stadium und somit ohne Garantie/Support bei Problemen. Zudem habe ich auf der Website von D-Link zwar die neue Firmware gefunden, aber nur für die Hardware-Versionen A1 und B1. Nicht aber für mein Gerät mit C1. Diese gibt es zwar im Web auch, aber nur über andere Quellen.

Über die vorhandene Funktionalität hinaus kann man den DNS-323 über PlugIns aufbohren. Diese muss man dazu auf oberster Ebene einspielen, Neustarten und dann werden entsprechende Aktionen ausgeführt. Das mag alles gut funktionieren, aber ist mir in dem Fall zu wackelig oder zu spannend. Schon um SSH freizuschalten muss dieser Weg beschritten werden. Auch Bittorent läßt sich auf diese Art "nachinstallieren".

Die Verwendung von USB-Platten am D-Link funktionierte leider auch nicht Out-Of-The-Box. Im Setup liessen sich nur Optionen für den Druckeranschluss finden. Vielleicht läßt sich das auch nachrüsten.

eMail - ich habe es leider mit keinem meiner Accounts hinbekommen, die eMail-Benachrichtigung zu aktivieren. Auch gänzlich unverschlüsselte SMTP-Mail-Accounts quittiert das NAS mit einem schlichten "Failed". Über die Admin-Oberfläche konnte ich kein Protokoll finden, das mehr Informationen preisgab.

Vor der Verwendung müssen Festplatten zunächst formatiert werden. Das ist bei beiden Geräten gleich. Die Formatierung einer einzelnen Platte dauert nur wenige Minuten.

Synology 210j
Das Gehäuse des Synology ist aus weißem Plastik. Das mach nicht so einen stabilen Eindruck und die Front wirkt ein bisschen antiquiert. Die Bodenplatte jedoch ist aus Metall. Der Einbau der Festplatten erfordert etwas mehr Geschick, als beim D-Link. Der Austausch der Platten muss mit einem Kreuzschraubendreher durchgeführt werden. Zunächst zwei Schrauben, um das Gehäuse zu öffnen (wobei es ab Werk unverschraubt geliefert wird, was ich prima fand, da kein Suchen nach den relevanten Schrauben erforderlich war. Das Gehäuse muss man dabei seitlich aufschieben, wobei die Plastikverarbeitung keine raue Gewalt vertragen wird. Die Platten werden dann in Metallschienen geschoben und von je 4 Schrauben gehalten.

Nach dem einschalten war ich schon ein wenig überrascht, das keine Firmware auf dem Gerät vorinstalliert zu sein scheint. Auf der CD war Version 959 dabei. Von der Hersteller-Website habe ich 1141 herunterladen können und diese auch direkt installiert. Interessanter Ansatz. So werden viele Kunden wahrscheinlich direkt zur neueren Version greifen.

Nach den kurz zuvor gemachten Erfahrungen und Eindrücken mit dem D-Link-NAS war das WebInterface des Synology ein WOW-Effekt! Es lässt sich alles über dieses Konfigurieren, auch wenn man ein bisschen Suchen muss aufgrund der Menge der Features.

eMail Benachrichtigung - Funktionierte AdHoc mit dem ersten getesteten Account. Hier lassen sich auch Verschlüsselung und Port etc. eingeben. Die Nachrichten, die man erhalten will, kann man in den jeweiligen Konfigurationsbereichen einstellen. Auch SMS kann man konfigurieren.

Über die Download Station kann man dem NAS direkt Links oder BitTorrents übergeben und erhält eine eMail, wenn der Download erledigt ist. Das klappt sehr zuverlässig.

Weniger zuverlässig ist leider die Sicherung. Ich habe einige der Verzeichnisse ausgewählt für eine direkte Sicherung auf eine zusätzliche angeschlossene USB-Platte eingetragen. Dieses bricht jedoch immer wieder ab und kann so keine Vollständige Sicherung durchführen. Aus dem Protokoll kann man zwar erkennen, welche Datei im nicht gefällt, aber einen Grund dafür konnte ich bislang nicht ausfindig machen.

Die Konfiguration von Freigaben für verschiedene Nutzer lässt sich Unix-Typisch für Benutzer und Gruppen einrichten. Analog ging das auch beim D-Link. Mit den Freigaben allerdings kommt Snow Leopard hervorragend klar. Besonderer Vorteil ist hier allerdings auch, dass das Synology-NAS auch den Mac-Dateidienst beherrscht und sogar als TimeMachine fungieren können soll, was ich aber nicht ausprobiert habe. Somit spiegeln sich Konfigurationsänderungen unmittelbar nach deren Speicherung auch auf dem Mac wieder.

Es gibt auch eine iPhone-Darstellung der Site, die aber nicht für die Management-Seiten genutzt werden kann, sondern z.B. für die FileStation. Wenn diese Dienste nicht aktiviert sind, ist die Seite bis auf den Link zur Desktop-Variante einfach leer.

Fazit
Nachdem ich mich für das Synology NAS entschieden habe, wurde auch die zweite Festplatte eingebaut. Zur Einrichtung des Volumes musste ich aber leider alles nochmal Formatieren als RAID. Wahrscheinlich kann man sich das sparen, wenn man auch mit einer Platte direkt als RAID die Konfiguration gemacht hat. Die Einrichtung des RAID 1 dauert allerdings sehr lange. Ca. 6 Stunden hat das Initialisieren benötigt. Anschliessend merkt man in der Handhabung nichts mehr vom RAID. Sollte eine der Platten mal ein Problem haben, werde ich hoffentlich wie konfiguriert auch hier zuverlässig die eMail bekommen, dass es Zeit wird für einen HW-Tausch.